Glossar

Das Wort „Bewusstsein“: 
Wie und in welcher Weise es hier in diesen Texten verwendet wird.
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28.12.2008

Multidimensionale Wahrnehmung I

Sich der multidimensionalen Ebene öffnen

von Andreas OttigerAmmann


In der schamanischen Tradition wird die Welt als ein vielfach ineinander verwobenes Weltengebilde wahrgenommen. Neben der bekannten, physisch sichtbaren Welt erkennen die Schamanen noch viele weitere Welten und Daseinsebenen.

Beginnt ein Schamane sein Bewusstsein zu erweitern, sei mit Hilfe psychedelischer Pflanzensäfte, ekstatischer Tänze, Trommelklängen oder durch eine stille Einkehr in das erweiterte Sein seiner selbst, beginnt die bekannte Welt zu wanken. Die festgefügten Strukturen dieser Welt werden durchlässig und vielschichtige, ineinander verflochtene Daseinsebenen stimulieren die hochsensibilisierten Sinne.

Das Betrachten einer Blume wird zu einem ganzheitlichen Erlebnis. Die Blume wird zu einem universellen Ganzen. Der betrachtende Schamane sinkt hinein in die Schönheit ihrer Formen, ihrer Klänge, ihrer Farben, ihrer alles durchdringenden Düfte. In jedem Detail dieser Klänge, Formen und Düfte, die den gesamten Wahrnehmungshorizont auszufüllen beginnen, zeigen sich weitere Details, weitere Farbharmonien. Düfte von sirenenartiger Transzendenz versetzen augenblicklich den gesamten Körper des Betrachtenden in anregender Weise in Entzücken und wecken Gefühle und Empfindungen von nie gekannter Tiefe, Weite und Gemeinsamkeit.

In diesem Schranken auflösenden Sein kann sich dem Schamanen eine Verwobenheit zwischen den Dingen zeigen, die alles beinhaltet, alles miteinbezieht. Das Kleinste wie das Grösste, jedes Ding ist mit jeder anderen Daseinsform in einem gemeinsamen Mitwirken verflochten. Es sind feine, feinste Beziehungsgeflechte, die den Raum und die Zeit durchweben. Es wird sichtbar, wie jeder einzelne Farbton mit den anderen Farbtönen, seien es dominierendere oder sanftere, in einer gemeinsamen Farbkomposition mitschwingt, mitwirkt. Ebenso tritt auch die Einzigartigkeit zutage, die sich darin zeigt, wie das kleinste Duftpartikel im weiten raumfüllenden Meer der Düfte ein vollständiges Ganzes formt und gleichzeitig seine eigene „Identität“ besitzt.

Zieht der Schamane seinen Bewusstseinsfokus wieder auf die Grösse seiner selbst zurück und betrachtet er von dieser Warte aus seine Mitmenschen, zeigen sich auch hier vielfältige Schichten.

Der Geruch eines anderen Menschen ist nicht mehr nur angenehm oder unangenehm, anziehend oder abstossend, in ihm zeigen sich weitere Ebenen. Im Geruch offenbart sich beispielsweise die jeweilige Gefühlslage des anderen. Die Angst ist ebenso zu riechen wie die Freude oder jede andere Regung.

Eine andere Schamanin wird in den Gerüchen die dazugehörenden Farben herausfiltern und sehen, wie jeder Mensch, jede Blume, jeder Baum in einer mannigfarbigen „Geruchswolke“ eingehüllt ist.

Auch die Sprache beginnt zusätzliche Facetten zu zeigen. In jedem gesprochenen Wort sind mehrschichtige Botschaften mit enthalten und je nachdem, auf welche Schicht der Fokus fällt, wird Entsprechendes herausgehört. Ein Wort kann sich in ein Bild verwandeln. Ein Satz lässt eine ganze Landschaft entstehen und je nachdem, welche Gefühle mit diesen Worten mitschwingen, wird diese Landschaft in hellere oder schattenhaftere Farben getaucht sein.

Auf eine solche Weise die Welt zu erfahren, ist in allen möglichen Variationen ein „multimediales“ Ereignis. Es fördert Schichten und Facetten der Wirklichkeit zutage, die für den normal bewussten Menschen nicht zu entdecken sind.

Zu jeder Zeit hat es Menschen gegeben, die solch erweiterte Bewusstseinsfacetten der Umwelt in natürlicher Weise wahrnehmen konnten. Für sie sind ihre speziellen Wahrnehmungen normal. Wenn sie beispielsweise von Kindesbeinen an beim Anblick von Zahlen zugleich die dazugehörenden Farben mit aufleuchten sehen, ist dies für sie eine gewohnte Wahrnehmung.

Oder wenn ein Kind das Gras wachsen hört, dann ist es in der Lage, einen Bereich der Wirklichkeit aufzunehmen, der für die allermeisten Menschen nicht zugänglich ist. Wieso diese Wahrnehmung stimmig sein kann, wird durch die Wissenschaft langsam nachvollziehbar. Denn ein jeder Prozess, so auch der „Wachstumsprozess“ einer Pflanze, setzt Energie in Bewegung – und Energie ist auf gewissen Ebenen vor allem „Schwingung“. So werden auf normalerweise nicht hörbaren Ebenen Klänge in unterschiedlichen Weisen erzeugt. Sie sind in andauernder Weise am Klingen, so auch beim Wachstum der Gräser und der Blumen.

Sowohl Schamanen als auch Wissenschaftler wissen heutzutage: Was im Kleinen und Kleinsten gilt, gilt auch für das Grosse und Grösste.

Was ein Schamane zusätzlich noch weiss, ist: Dies gilt nicht nur für die feststoffliche Materie, sondern auch für all die vielschichtigen, feinstofflichen Ebenen, die auch noch in allem am Mitwirken sind. Diese Ebenen des „Geistes“, des „Spirits“, wie dies die englischsprachigen Völker nennen, sind für einen Schamanen genauso real. Nähert er sich den „spirituellen“ Ebenen der Wirklichkeit, werden sie je näher er ihnen rückt genauso real, genauso „feststofflich“, wie unsere Welt.

Solch erweiterten Wahrnehmungen lassen sich auch in Meditationssitzungen aktivieren. In solchen Momenten kann sich das Tagesbewusstsein von der gewohnten, eng begrenzten Verhaftung an diese Realität loslösen. Unsichtbare Schranken öffnen sich. Das personale Bewusstsein kann sich in Ebenen hinein ausweiten, die zuvor nicht zugänglich waren. Ein „Bewusstseinsreisen“ wird möglich – ähnlich dem schamanischen Reisen.

Je nachdem, worauf der Fokus der bewusstseinsreisenden Person (Schamane oder Meditierender) liegt oder welche „Glaubensvorstellungen“ und „Glaubensinhalte“ sie in ihrem „Gepäck“ mitführt, wird sie Entsprechendes in diesen Ebenen wahrnehmen.

Je bewanderter diese Person ist – in schamanischen Reisen oder in Bewusstseinsreisen - und je neutraler und unvoreingenommener diese Person in diesen Welten umherreist, desto deutlicher wird sie erkennen können, was dort auch noch zu sehen ist. Diese Welten werden sich in Weisen zeigen, für die wir hier auf Erden noch keine Worte kennen, geschweige denn irgend eine Vorstellung davon haben können. Aber bleiben wir auf dem Boden der „Tatsachen“, bei dem, was uns in irgendeiner Weise bereits bekannt ist.

Ein Weltenreisender kann sich denjenigen Ebenen nähern, in denen die „Vorfahren“ zuhause sind und so den Geistern der Ahnen wieder begegnen. Aber auch hier gibt es vielfältige Facetten der Wahrnehmung. Trägt der Reisende in seinem Gefühlsgepäck Sorge, Bedrücktheit, Zorn oder Verzweiflung mit, wird sich die Welt im entsprechenden Licht präsentieren. Dunkle Schattierungen werden wohl vorherrschen. Schwingt eine Reisende mehrheitlich in liebevollen, humorvollen Gefühlen, begegnet sie automatisch eher helleren, freudvolleren Welten.

Nimmt ein Reisender oder ein Schamane eine psychedelische Pflanze wie San Pedro (Kaktus) oder Ayahuasca (Schlingpflanze) ein, wird er unter anderem im Bewusstseinsfeld dieser Pflanze unterwegs sein – und auch dieses Feld wird seine Erlebnisse und das Erfahrbare prägen. 1

Wenn sich der Reisende während den Reisen den bewusstseinsmässigen „Verfärbungen“, denen er unterworfen ist, bewusst bleibt, können sie zu einem vielfältigen Helfer werden. Ist der Reisende sich eines „tiefsitzendes Problems“ bewusst, welches er schon lange auflösen möchte, kann er sich während einer Reise bewusst diesem „Problem“ zuwenden. Kann er – trotz allem, was ihm begegnen wird – genügend bewusst bleiben (d.h. er weiss die ganze Zeit, dass er auf einer Bewusstseinsreise unterwegs ist und dass sein Körper auf der physischen Erde zuhause ist), kann er sich direkt dem Problem (z.B einer unergründlichen Angst) stellen. Kann er diesem Problem ungeachtet aller misslichen Begleiterscheinungen (z.B. monsterhafte Schreckensgestalten), die sich in der Umgebung des Problems zeigen mögen, ein liebevolles Annehmen und Verständnis entgegen bringen, kann sich dieses Problem augenblicklich in ein „erlöstes Sein“ verwandeln (aus der Schreckgestalt schält sich eine „Lichtgestalt“ hervor) – und die eigene Welt und die aller Anderen werden dies sofort spüren; irgendetwas wird ab diesem Moment leichter und friedvoller sein.

Neben all diesen „persönlichen“ Ebenen gibt es auch die Welten der „Seele“ – und noch viele weitere Ebenen, worin anmutige, lichtvolle Wesen ihren Beschäftigungen nachgehen. Diese zu entdecken und in ihnen zu verweilen, lässt noch viele weitere Aspekte der multidimensionalen Ebenen zum Vorschein kommen. Zum Beispiel kann ein Reisender, der sich in den dunkelsten Schichten seines Selbst einem Problem in mutiger Weise gestellt hat, sich unversehens in einer vollkommen anderer Welt wiederfinden. Denn im selben Moment, in dem er das Problem in all der Liebe, zu der er fähig ist, annehmen konnte, transformiert sich nicht nur das Problem (und zeigt seine hellere Kehrseite), sondern auch die gesamte Ebene kann sich in eine lichtvollere Welt transformieren. Und es zeigt sich eine Seite der Wirklichkeit, die die ganze Zeit auch am Mitwirken gewesen war.

Während vieler Jahre des Suchens, des Forschens, des Findens habe ich diese vielfältigen Welten aus unterschiedlichsten Blickwinkel heraus wahrnehmen können – und irgendwie blieb immer eine leichte Wehmut zurück. Sie gründet in einer immer wiederkehrenden Frage: Wie nur könnten diese Welten für Andere, die sie nicht kennen, wahrnehmbar gemacht werden?

Irgendwann musste ich eingestehen, dass dies nur dann geht, wenn wer auch immer dies will, dazu bereit ist, sich diesen erweiterten Seinswelten zu öffnen. Erst wer bereit ist, dem offenbart sich Entsprechendes.

Ich suchte trotzdem nach Möglichkeiten, wie diese nicht sichtbaren Strukturen der „anderen“ Welten sichtbar gemacht werden könnten. Zu meiner Überraschung zeigte sich in einem anderen Bereich eine geniale Möglichkeit, und zwar in der Geometrie.

Jahrelang spielte ich mit geometrischen Körpern und Formen und suchte zu ergründen, was auch noch in ihnen zu finden sein könnte. Dabei fand ich noch unbekannte Formen und Strukturen, die ungemein gut widerspiegeln können, wie all diese vielschichtige, mannigfaltigen Welten, Ebenen und Unterebenen miteinander verflochten sind.

Im Gewebe einer sogenannten „Phi-Geometrie“ (sie basiert auf dem göttlichen Verhältnis, welches im Goldenen Schnitt zutage tritt und als die Zahl Phi = 1.6180339… bekannt ist) offenbarten sich geometrische „Zellstrukturen“ (siehe das Überschriftbild in der Partner-Webseite: www.multidimensional.ch), die in unnachahmlicher Weise ineinander übergehen können. Zugleich tragen sie bei einer allfälligen Vermehrung die Strukturen in sich, um die Verbindung zu all den anderen Zellstrukturen nicht zu verlieren.

Dabei wird sichtbar, wie diese Phi-Geometrie ein „Schlüssel“ ist, um von unserer bekannten Ebene der Welt hinüberzufinden in die erweiterten multidimensionalen Strukturen, welche die ganze Zeit mit uns, um uns und in uns am Wirken sind. Die Phi-Geometrie zeigt exakt, klar und deutlich auf, in welcher geometrischen und mathematischen Weise all die Welten mit all den Welten (im Kleinsten wie im Grössten) miteinander verbunden sind und gemeinsam an einer unerhört vielfältigen Schöpfung mitwirken.

Im Buch Vom ewig beginnenden Ende legte ich einen ersten „Grundstein“, der durch Worte und Geometrien aufzeigen kann, wie unsere feststofflich erkennbare Welt in einer um vieles erweiterten Welt angelegt ist. Auf diesen Grundstein aufbauend werde ich Schritt für Schritt darlegen, wie all dies zusammenspielt, zusammenklingt, zusammenwirkt.

In einem nächsten Artikel werde ich gezielt darauf eingehen, wie diese multidimensionalen Welten geometrisch miteinander in Beziehung sind.



1 San Pedro: Botanische Bezeichnung Trichocereus Pacchanoi, ein Meskalin enthaltender Kaktus der Andenhochländer. Seine schamanische Verwendung für Heilungsrituale ist seit Jahrtausenden bekannt.

Ayahuasca: Botanische Bezeichnung Banisteriopsis Caapi, eine Liane, die in den tropischen Wäldern des Amazonasbeckens wächst. Der Begriff Ayahuasca kommt aus der Indianersprache Quechua und bedeutet „Liane der Geister/Toten“ oder „Ranke der Seelen“.

Öffnet sich ein Reisender oder eine Reisende dem Bewusstsein der entsprechenden Pflanze, kann diese Pflanze als „Lehrer“ hervortreten. Das Bewusstsein der Pflanze wird aufzeigen (durch innere Bilderreisen, durch das Entstehen von Gefühlsempfindungen, durch spontan hervortretendes „Wissen“), welche speziellen Eigenschaften sie in sich trägt und zum Ausdruck bringen kann. Sei es als Heilpflanze, als Nahrungsmittel und durch viele weitere subtile Wirkungen, die der Pflanze auch noch zu eigen sind. Zumeist lehrt die „Pflanze“ genau das Wissen, das für eine Reisende oder einen Reisenden zum gegebenen Zeitpunkt am wichtigsten ist. Es hängt auch davon ab, auf welchem Wissens- und Erfahrungslevel sich der einzelne Reisende zum gegebenen Zeitpunkt befindet. Es ist wie in der Schule, wo einem Erstklässler auch etwas anderes unterrichtet wird als einem Siebtklässler.

 

AnOA
Andreas OttigerAmmann
Bewusstseinsforscher

Feldheim 1
CH-6027 Römerswil, Schweiz

www.anoae.org          www.multidimensional.ch
+41 (0)41 910 48 33

 

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